Schmiedekunst

Zu den ältesten Handwerken gehört die Schmiedekunst. Wurden zuerst Kupfer und dann Bronze bearbeitet, wurde die Tätigkeit später auf Eisen sowie verschiedene Edelmetalle ausgedehnt. Die Verformung erreichte man durch Hämmern, Pressen oder Verdrehen. Wichtig für diese Tätigkeit war die Beherrschung des Feuers, da die Bearbeitung der Metalle verschiedene Anforderungen an die zu erreichende Temperatur stellen. Neben der Herstellung von Dingen für das tägliche Leben wie Behältnisse oder Werkzeuge, Teile für Bauten wie Nägel, Tore und Treppen – um nur einige Beispiele zu nennen -, kommt im religiösen und Schmuckbereich schnell die kunsthandwerkliche Fertigung auf. Schon die alten Griechen kannten den Gott der Schmiedekunst Hephaistos, der den Halsschmuck der Göttin Harmonia, der Gattin von Kadmos, dem Gründer von Theben, anfertigte.

In der Eisenzeit gab es einen ersten Höhepunkt der Schmiedekunst. Vor allem kunsthandwerkliche Utensilien (z. B. Gefäße und Gewandspangen) sind erhalten geblieben. An Hand der Vielzahl der noch verfügbaren Gewandspangen konnte man diese recht genau der Entstehungszeit und Örtlichkeiten zuordnen, so dass aufgefundene Gewandspangen dort genau einordenbar sind.

Die Schmiedekunst der Antike ist durch Waffenfunde (Schwerter), Schriftquellen und bildlichen Darstellungen (z.B Vasen) überliefert. Später (9. Jahrhundert) kamen auch geschmiedete Hufeisen für das Haupttransportmittel “Pferd” in Gebrauch.

In den nachfolgenden Jahrhunderten erweiterte sich das Sortiment ständig. Beschläge, Gitter und Chorgitter für Kircheneinrichtungen, Kaminböcke, Fackelhalter und Laternen, später auch Balkon- und Treppengeländer, Brunnenhauben und Wirtshausschilder bildeten den täglichen Arbeitsinhalt. In der Waffenschmiedekunst war Deutschland führend. Die von ihr ausgehenden Verfahren des Eisenschnitts und der Eisenfaltung, der Gravur, Ätzung, Bläuung sowie die Vergoldung wurden in der Folge auch auf andere Schmiedearbeiten angewandt.

Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert verdrängte die Schmiedekunst vielfach. Einerseits durch billigeren Eisenguss, der mit Formen in kürzeren Zeiten immer zum selben Ergebnis führte. Andererseits wurden Ornamente und Stäbe maschinell aus Schmiedeeisen hergestellt, die als Einzelteile verkauft und dann lediglich zusammengesetzt wurden. Damit gingen aber die Einzigartigkeit der einzelnen Schmiedearbeiten und die Individualität der Anfertigung zu einem großem Teil verloren.

In unserer heutigen Zeit, die von der Massenproduktion und Uniformität geprägt ist, gibt es wieder viele Menschen, die diesem “Mainstream” nicht folgen wollen. Ihr Wunsch nach individuellen Lösungen für ihr Umfeld ist Ansporn für jeden Kunstschmied.

Ein wichtiger Zweig des Handwerks ist heute neben der Neuanfertigung die Restaurierung alter Schmiedearbeiten. Dort kommen dann die alten Techniken der Herstellung, verbunden mit modernen Konservierungsverfahren, zum Einsatz. Diese Arbeiten erfordern viele Erfahrungen handwerklicher, aber auch historisch-geschichtlicher Art, da sich die Technik ständig weiterentwickelt.

Die Hauptwerkzeuge des Kunstschmieds sind Ambosse, mit Luftzuführung heiß entfachte Schmiedefeuer, aber auch Wasser zur Abschreckung und Regulierung der Härte des Materials. Dazu kommen die verschiedensten Schmiedehämmer und Schmiedezangen. Viele seiner Werkzeuge fertigt der Schmied auch selber an. Das gilt für Biegevorrichtungen für besonders häufig gebogene Formen, als auch für Vorrichtungen und Vorlagen, um eine schnelle Reproduzierbarkeit zu ermöglichen.

Den Kunstschmied gibt es als Ausbildungsrichtung nicht. Schmiede, die das Freiformschmieden beherrschen, können sich in dieser Richtung entwickeln und werden so zu einem Künstler. Meist wird diese Tätigkeit neben dem Standardrepertoire ausgeübt, da die Kunstschmiedearbeit heute nicht zum Leben ausreicht.

Heute wird der Kunstschmied verallgemeinernd als Metallbauer oder Metallgestalter bezeichnet und so versucht, die Kunst der Arbeit, die hier geleistet wird, in der neuzeitlichen, durch Maschinenarbeit gekennzeichnete Massenproduktion untergehen zu lassen. Die dafür erforderlichen Qualifikationen sind von weitaus geringerer Ausprägung. Das haben sicher Leute so festgelegt, denen diese Kunst fremd ist.